S-Wurf – Geburt

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Der 27. August, der errechnete Geburtstermin, geht vorbei, ohne, dass sich irgendetwas bei Mira verändert: Appetit normal, Temperatur normal. Mit großer Begeisterung begleitet sie mich auf einige kleinere Runden in der Umgebung. In der darauf folgenden Nacht fällt die Körpertemperatur auf 37°, was ein sicheres Zeichen dafür ist, dass die Geburt in den nächsten 24 Stunden einsetzen wird.
In der Früh hat sie die vorbereiten Tücher in der Welpenbox zusammengescharrt und auch fleißig unter den Rhododendren gegraben. Gegen Nachmittag wird sie immer unruhiger und wechselt ständig zwischen den verschiedenen Plätzen: mal lässt sie sich in der Wurfkiste nieder, dann will sie wieder in den Garten, legt sich ins Wohnzimmer, dann unter den Esstisch, wieder in den Garten, usf.
Erst gegen 23.30 Uhr bleibt sie in der Wurfbox, sie hechelt und hat die ersten Wehen. Aber anscheinend findet sie, dass alle Welpen am selben Tag Geburtstag haben sollten und bringt den ersten Welpen um 0.30 Uhr am 29. 8. zur Welt. Es ist eine sm Hündin, 524g schwer, Sie bekommt ein rosa Bändchen.
Schon 20 Minuten später um 0.50 Uhr wird ein blonder Rüde geboren, 558g, blaues Bändchen. Die beiden Ersten sind bereits ordnungsgemäß trocken geleckt und hängen schon bald am mütterlichen Milchquell. Aber obwohl Mira weiterhin Wehen hat, geht die Geburt nicht voran.
Als sich nach 2 Stunden immer noch nichts tut, sind wir doch ziemlich besorgt und rufen an der Vet. Med. an, auch deshalb, weil noch beide Nachgeburten fehlen. Frau Prof. Schäfer rät uns, nicht länger zuzuwarten sondern ehestens in die Klinik zu kommen. So werden die Kleinen in einen Korb mit einer Wärmflasche gelegt, und wir machen uns, begleitet von unserer Tochter Julia, einer angehenden Kinderärztin (sicher ist sicher!), sehr besorgt auf den Weg in die Tierklinik, wo wir gegen 3.20 Uhr ankommen und nach einiger Zeit von einer Studentin empfangen werden.
Während wir im Untersuchungsraum auf die Ärztin warten verkriecht sich Mira unter dem Schreibtisch und bringt dort um 3.35 Uhr ihr nächstes Baby zur Welt: wieder einen Rüden, sm, 668g. Er bekommt ein grünes Bändchen, und wir vermuten, dass er besonders klug werden wird, kam er doch unter einem Uni-Schreibtisch zur Welt! Auch diesmal fehlt die Nachgeburt!
Als endlich Frau Prof. Schäfer kommt, die ohnehin schon im Haus, nicht aber von unserer Ankunft verständigt worden war, holt sie erst die 3. und dann die 2. Nachgeburt, die den Geburtskanal bereits blockiert hatten. Nach dem Ultraschall, der noch mindestens 2 oder 3 Welpen zeigt, übersiedelt die kleine Familie in die Wurfbox, wo Mira eine Infusion und eine Calcium – Glukose Spritze bekommt.
Um 5.05 Uhr kommt wieder ein Rüde, diesmal wieder blond, 646g. Er bekommt ein violettes Bändchen. Nun zeigt der Ultraschall, dass beim nächsten Welpen die Herztöne nicht konstant sind. Daher muss mit einer Oxytocingabe, ½ Einheit, nachgeholfen werden. Nr. 5 kommt um 5.55 Uhr, 590g – richtig: wieder ein Rüde, wieder sm, rotes Bändchen. Jetzt ist das System klar erkennbar: in einem Uterushorn ist die sm, im anderen die blonde Fraktion, und daher kommen die Farben immer abwechselnd heraus! Diesmal ist auch die Nachgeburt mitgekommen, die Mira sofort ganz rasch verschlingt.
Eine Stunde später, um 6.55 Uhr kommt Nr. 6, ein Rüde, 635g, dem System folgend, blond, allerdings mit Hilfe, da er etwas schräg liegt und unbedingt mit den Hinterläufen voran ans Licht der Welt kommen will. Er schaut mit seinem weißen Fleck auf der Stirn besonders süß aus und bekommt deshalb auch ein weißes Bändchen. Mit seiner Nachgeburt kommt auch endlich die vom ersten Welpen heraus.
Nach einer weiteren halben Oxytocingabe wird um 7.28 Uhr Nr. 7 geboren, und alles Wünschen hat nix geholfen, es ist wieder ein Rüde! (Dass er sm ist muss ich jetzt ja nicht mehr extra anführen!) Er wiegt 610g und bekommt ein gelbes Bändchen. Nach einem letzten Ultraschall und der restlichen Oxytocingabe werden auch die Welpen noch gründlich untersucht, für ganz gesund und wunderschön befunden und von den mittlerweile dazu gekommenen Studenten gebührend bewundert. Dann werden noch die Nabelschnüre eingekürzt und desinfiziert, und bei unserer Heimreise ist unser Korb wirklich gut gefüllt mit 7 prächtigen Hundekindern, 6 Rüden und einer Hündin. Wir sind müde und erschöpft, aber glücklich und erleichtert, dass alles so gut ausgegangen ist, dank der kompetenten, umsichtigen Hilfe von Frau Prof. Schäfer! Besonders für Mira war es eine anstrengende Nacht: sie hat alle Untersuchungen und Manipulationen geduldig über sich ergehen lassen und sich zwischendurch noch gewissenhaft um ihre Kinderchen gekümmert.
Jetzt liegen alle zufrieden und gesund in ihrer Wurfkiste, erholen sich von den Strapazen der Geburt, und lassen sich`s gut gehen.

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